Thurgauer Zeitung
 

, 29. März 2016, 02:40 Uhr

Prognosen auf Rückblicke

Für einen guten Bühnenauftritt genügt dem deutschen Kabarettisten Mathias Richling ein einziger Stuhl. 

Für einen guten Bühnenauftritt genügt dem deutschen Kabarettisten Mathias Richling ein einziger Stuhl. (Bild: BüroMR)

Die Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau bringt den Kabarettisten Mathias Richling nach Weinfelden. Der Mann mit dem hageren Gesicht und dem geschliffenen Mundwerk tritt am 9. April im «Thurgauerhof» auf.

ESTHER SIMON

WEINFELDEN. Mathias Richling freut sich auf das Weinfelder Publikum. Der deutsche Kabarettist ist sich sicher, dass er wieder einen Auftritt vor fachkundigen Zuhörerinnen und Zuhörern hinlegen kann – wie damals im September vor drei Jahren im «Thurgauerhof».

Die Schweizer hätten ein «übergrosses Interesse» an deutscher Politik, sagte Richling kürzlich dem Präsidenten der Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau, Roland Harders. «Das Interesse daran scheint oft sogar grösser zu sein als das Interesse der Deutschen an ihrer eigenen Politik.»

Vielleicht Schadenfreude

Das heisse auch, dass man sich in der Schweiz die historisch-politischen Zusammenhänge, die in Deutschland wirksam sind, länger merke. «Ob aus Häme oder Schadenfreude oder der Einbildung, man sei selbst besser, sei dahingestellt.»

Das bedeute aber auch, dass die Weinfelder Zuhörerinnen und Zuhörer von vorneherein besonders vorbereitet seien auf sein aktuelles Programm, das «Prognosen auf Rückblicke» heisst. Es gehe zuerst um die Frage, wie sich die Politik verändert habe, sagt Richling: Hat uns Kohl mehr angelogen als Merkel oder Theo Waigel, und haben sie andere Geschichten aufgetischt als Herr Schäuble? Es gehe um die Frage, ob die Zukunft früher besser war als die Gegenwart und diese schlechter als die Vergangenheit. «Diese Frage kann man nach dem Programm gut selbst beantworten.» Man sieht: Richling hält grosse Stücke auf sein Publikum. Satire, sagt er, sei vor allem dazu da, dass sich der Zuschauer selbst einen Reim auf das macht, was er angestossen bekommt im Programm, dass er weiter denkt und zu eigenen Resultaten kommt.

Er beobachte, spiele nach, durchleuchte die Figuren und spiele sie wieder nach, «und zwar nicht vor einem Spiegel», sagt Richling. «Mein Spiegel heisst Günter Verdin, er ist der Regisseur meiner Programme und korrigiert meine Beobachtungen, bevor wir aus den realen Figuren gespielte Karikaturen machen.»

Der letzte Programmpunkt

Der Auftritt Richlings am Samstag, 9. April, um 20 Uhr im «Thurgauerhof» in Weinfelden ist der letzte Programmpunkt in der laufenden Saison der Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau.