45. Ausgabe April 2015 | Weinfelder Anzeiger

Sensationelle Stimmung im Rathaus mit Gerhard Polt

 

Im ausverkauften Rathaussaal Weinfelden präsentierte Gerhard Polt mit dem Soloprogramm „Braucht’s des?!“ Komik auf höchstem Niveau.
Das Weinfelder Publikum war begeistert. Der Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau ist es gelungen, den Träger bedeutender Kulturpreise
für ein weiteres Gastspiel zu gewinnen. Roland Harders, Präsident der TKGMtg, erklärt die Hintergründe.

 

WAZ: Wie kam es, dass Sie Gerhard Polt für ein Gastspiel in Weinfelden gewinnen konnten?

Roland Harders: Als ich 2009 Präsident der Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau wurde, hatte ich eine Vision: Ich wollte
die erfolgreichsten deutschsprachigen Komiker ins Jahresprogramm aufnehmen. Auf den Auftritt von Gerhard Polt und den
Wellbrüdern im Dezember 2012 mussten wir drei Jahre warten. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit Polts Biografie, mit seinen Filmen,
Geschichten und Büchern von und über ihn beschäftigt.

 

Inwiefern?

Ich habe beispielsweise die Amalienstrasse in München, wo Polt als Kind die Zerstörung bzw. den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, besucht.
Ich konnte ihn in Oberbayern treffen. Die Gespräche mit ihm, seine Darbietungen sind für mich entspannte und lehrreiche Erlebnisse. Gerhard Polt
hat etwas Weises. Dass er solo im schmucken Rathaussaal in Weinfelden auftrat, war sensationell und sicher auch eine freundschaftliche Geste seinerseits.

 

Was soll daran freundschaftlich sein?

Letzten Winter guckte ich in einem Münchner Kino seinen neuesten Film „Und Äktschn!“, in dem auch Viktor Giacobbo mitspielt.
Polt interessierte es, wie ich den Film aufnahm. Wir diskutierten bei Brezen, Weisswurst und Weissbier darüber – aber auch über andere
Dinge wie die Funktion eines Kulturvereins. Er kennt die Chancen, aber auch die Sorgen und Nöte von ehrenamtlich wirkenden
Veranstaltern sehr gut. Seine Frau ist ebenso in einem Dorfverein tätig.

 

Wie beurteilen Sie die Chancen bzw. Sorgen der Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau?

Unser Verein ist in Weinfelden und Umgebung sehr gut verankert. Im Vorstand hat es eine hohe Fachkompetenz. Die Abonnentenzahl ist
leider tiefer als noch vor zehn Jahren. Das mag eine gesellschaftliche Entwicklung sein. Wir konnten den Schwund aber auffangen
und bei den Einzelkarten deutlich zulegen. Trotzdem: Abonnemente sind ein wichtiger Solidaritätsbeitrag an eine hoch effiziente Vereinsarbeit.
Und für die Abonnenten sind sie sehr lukrativ. Gäbe es das Abosystem nicht, stünden wir vor dem Aus.

 

Man hört, dass der Verein neue Vorstandsmitglieder sucht?

In der Tat. Ich wäre sehr froh, wenn Kulturinteressierte sich melden. Bis ein Jahresprogramm
mit je vier Konzerten und Theatern realisiert ist, prüfen wir ungefähr 32 Produktionen. Das Visionieren und Organisieren ist sehr
lehrreich und spannend. Man lernt interessante Menschen kennen. Kulturarbeit ist auch immer eine Horizonterweiterung.