Tagblatt Online, 20. Dezember 2011 01:07:50

Katja Hess spielte die erste Geige

Katja Hess und Rudolf Koelmann im Weinfelder Rathaus. (Bild: Esther Simon)

Das Doppelkonzert für zwei Violinen von Johann Sebastian Bach war der Höhepunkt am Konzert vom Sonntagabend im Weinfelder Rathaus. Der Applaus wollte fast nicht enden.

Esther Simon


WEINFELDEN. Auf Einladung der Theater- und Konzertgesellschaft Mittelthurgau gastierte das Streichorchester der Zürcher Hochschule der Künste am Sonntagabend im Rathaus. Dem 13köpfigen Kammerensemble mit seinem Gründer und Dirigenten Rudolf Koelmann, einem der letzten Schüler des legendären Geigers Jascha Heifetz, war ein ausgezeichneter Ruf vorausgeeilt: Genau vor zwei Jahren hatten die Streicher ebenfalls in Weinfelden konzertiert und einen grossen Erfolg gefeiert.

 

Kein Wunder also, dass auch am Sonntagabend Saal und Empore gefüllt waren mit wiederum erwartungsvollen Zuhörern.

Die Zeit schien stillzustehen

Der Höhepunkt des Abends war die Aufführung des Konzertes in d-Moll für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach, das sogenannte Doppelkonzert und vielleicht das bekannteste unter Bachs Violinkonzerten überhaupt.

 

Solistin war die in Märstetten aufgewachsene Geigerin Katja Hess. Die international gefragte Musikerin trat in langem, schwarzem Kleid vor das Publikum und verlieh dem Anlass allein schon durch ihre Erscheinung eine elegante Note. In Bachs Doppelkonzert sind die beiden Geigen fast gleichberechtigte Partner, die ihr musikalisches Material oft abwechslungsweise teilen. Die Zeit schien stillzustehen, als Katja Hess und ihr ehemaliger Lehrmeister Rudolf Koelmann auf ihren Instrumenten wetteiferten, wobei die Solistin ihren Part, dort, wo es angebracht war, souverän und mit grosser Präsenz herausarbeitete. Im langsamen Satz woben die Spieler ein fast schwermütiges Klangbild. Eigentlich hätte alles, was nach diesem Satz noch kam, überflüssig wirken müssen. Doch Katja Hess und Rudolf Koelmann legten ein dermassen stürmisches Finale hin, dass der Beifall der Zuhörer fast nicht enden wollte.

Ein farbiges Programm

Das Streicherensemble bot ein ansprechendes, farbiges Programm, angefangen mit Mozarts anmutiger «Kleiner Nachtmusik» über Edward Elgars heitere Serenade für Streicher in e-Moll bis hin zu Marco Enrico Bossis munteren Intermezzi Goldoniani.

 

Die jungen Talente, die sich durch ihre Mitwirkung in diesem Ensemble auf ihre Musikerlaufbahn vorbereiten, überzeugten mit grosser Spielfreude und sattem Klang auf ihren schönen Instrumenten. Rudolf Koelmann spielte am Sonntagabend ebenfalls eine Rolle als Konzertmeister. Wobei sich Koelmanns Grösse und Professionalität nicht zuletzt darin zeigten, dass er seine mehrheitlich jungen Kolleginnen und Kollegen im Ensemble nicht an die Wand spielte und mit der Zeichengebung äusserst sparsam umging.